thinkretro.de

Jul 19, 2014

dvtm - Fenstermanager für die Shell

Ein großer Nachteil beim Arbeiten auf der Kommandozeile ist, dass man normalerweise nur einen Bildschirm zum arbeiten hat. Man kann zwar ein Programm mit Strg+z in den Hintergrund schicken und mit fg wieder in den Vordergrund holen aber zwei Anwendungen gleichzeitig auf einem Bildschirm zu beobachten ist so ohne Weiteres nicht möglich. Aber wozu gibt es Terminalmultiplexer, die das von einer X-Window-Umgebung gewohnte mehrfache Nebeneinander von Fenstern auch auf der Kommandozeile ermöglichen. Einer dieser Vertreter ist dvtm.

Installation

Der 'dynamic virtual terminal manager' ist in den offiziellen Paketquellen von Debian enthalten und lässt sich von dort bequem installieren:

# apt-get install dvtm

Einmal installiert lässt er sich bequem mittels

$ dvtm

starten.

Bedienung

Sämtliche Aktionen in dvtm bestehen aus der Mod-Taste (standardmäßig Strg+g) und der Taste für die gewünschte Aktion. Die (für mich) wichtigsten sind:

  • Mod+c: neue Shell
  • Mod+x: aktives Fenster schließen
  • Mod+j: zum nächsten Fenster wechseln
  • Mod+k: zum vorherigen Fenster wechseln
  • Mod+1: zum Fenster Nr. 1 wechseln
  • Mod+m: aktuelles Fenster maximieren
  • Mod+t: Vertikaler Split Modus
  • Mod+b: Horizontaler Split Modus
  • Mod+x: Sperrt den Bildschirm (man wird nach einem Passwort gefragt; dieses muss man danach eintippen um den Bildschirm wieder zu entsperren)
  • Mod+q: Exit

Daneben gibt es noch eine Menge weiterer Kommandos (z.B. um die Fenstergröße zu ändern). Man findet diese indem man

$ man dvtm

aufruft. Darüber hinaus kann man dvtm beim Start noch einige Optionen übergeben (z.B. -m um die Mod-Taste zu ändern).

Fazit

dvtm lohnt sich wirklich. Getreu der Unix-Philosophie "Do one thing but do it well" erledigt dvtm genau diese eine Aufgabe und das ohne zu murren und ohne zusätzlichen Schnickschnack. dvtm bringt von Haus aus kein session-management mit (wie es etwa tmux oder screen tun). Abhilfe schafft aber hier abduco. Wer also möchte, dass einmal gestartete Anwendungen nach dem Logout auch weiter laufen, der möge hier zuschlagen :-)

Nov 24, 2013

I3 ein Tiling-Fenstermanager für X

Nein in diesem Artikel geht es nicht um den sportlichen BMW i3, sondern um einen Fenstermanager namens i3. Wer also auf der Suche nach Fahrberichten oder Ähnliches hier gelandet ist, den muss ich leider enttäuschen ;-). Im nachfolgenden Aktikel geht es vielmehr um einen sogenannten Fenstermanager namens i3. Fenstermanager, hä? Genau!

Bis vor kurzer Zeit hätte ich mit dem Begriff genauso wenig anfangen können. Grob gesagt ist ein Fenstermanager für das Minimieren, Maximieren, Öffnen und Schließen von Fenstern innerhalb einer grafischen Oberfläche zuständig. Irgendwann im letzten Jahr stolperte ich eher durch Zufall im ubuntuusers wiki über eine Seite auf der mehere Fenstermanager aufgelistet waren. Das machte mich ein wenig neugierig, kannte ich doch bis dato nur komplette Desktopumgebungen wie Gnome, Xfce oder Kde; aus der Windows-Welt war mir dieser Begriff ebenso unbekannt...

Dabei kommen zwei unterschiedliche Konzepte zum Einsatz: Bei "normalen" Fenstermanagern kann man die einzelnen Fenster beliebig verschieben und sie verdecken sich gegenseitig und/oder überlappen einander. Im Gegensatz dazu ordnen Tiling-fähige (wie eben bspw. i3 oder dwm) wiederum alle Fenster neben und untereinander an, sodass kein Fenster verdeckt ist. Ein großer Vorteil dieses bereits seit den 80er-Jahren bekannten Konzepts ist, dass sich Tiling-fähige Fenstermanager auch sehr gut über die Tastatur steuern lassen.

Installieren lässt sich i3 bequem aus den Debian-Paketquellen mittels apt-get install i3. Gleich mit installiert wird dabei eine hübsche Statusleiste "i3-bar"(wer nur den reinen Fenstermanager ohne die Statusleiste möchte installiert einfach nur das Paket i3-wm). Nun trägt man noch in der .xinitrc die Zeile "exec i3" ein und kann mittels startx den Fenstermanager starten. Wer möchte kann sich auch einfach einen Loginmanager wie z.B. slim oder xdm installieren. Will man bequem auf seine installierten Anwendungen mittels Menü zugreifen, sollte man sich auf jeden Fall noch das Paket "suckless-tools" installieren (wird bei der Installation von i3 automatisch mit installiert). Das darin befindliche "dmenu" integriert sich wunderbar in i3. Nach dem ersten Start wird man gefragt, wo i3 seine Konfigurationsdatei ablegen soll und welche Meta-Taste (Alt oder die Windows-Taste; ich nehme lieber die Alt-Taste) verwendet werden soll. Danach kann man direkt los legen.

Die wichtigsten Tastenkombinationen sind wohl:

  • ALT+Enter: Terminal öffnen
  • ALT+D: Dmenu öffnen
  • ALT+SHIFT+Q: aktuelles Fenster schließen
  • ALT+SHIFT+E: i3 beenden
  • ALT+j: Fokuswechsel nach links
  • ALT+k: Fokuswechsel nach oben
  • ALT+l: Fokuswechsel nach unten
  • ALT+ö: Fokuswechsel nach rechts
  • ALT+v: vertikaler Split
  • ALT+h: horizontaler Split
  • ALT+e: Wechsel zwischen horizontalem und vertikalem Split
  • ALT+s: Stacking-Modus
  • ALT+w: Tabbing-Modus
  • ALT+f: Vollbild des aktuellen Fensters
  • ALT+1,2,3,n: Arbeitsfläche 1,2,3,n wechseln

Eine vollständige Übersicht und zudem eine Anleitung zur Konfiguration von i3 kann man der offiziellen Dokumentation entnehmen. Beschrieben ist dort bspw. wie man eine andere Schriftart einstellt, oder wie man Tastenbelegungen ändert. Darüber hinaus ist dort beschrieben, wie man die Statusleiste "i3-bar" seinen Bedürfnissen anpassen kann.

Für mich persönlich ist i3 genau das, was ich gesucht habe. Ein einfacher, mächtiger Fenstermanager, der sich vollkommen über die Tastatur bedienen lässt. Das Tilingkonzept finde ich in höchstem Maße spannend und ich habe vor in der nächsten Zeit noch den ein oder anderen Kollegen aus dieser Zunft auszuprobieren. Insbesondere im Ressourcenverbrauch denke ich, geht noch was :-)