Ein großer Nachteil beim Arbeiten auf der Kommandozeile ist, dass man
normalerweise nur einen Bildschirm zum arbeiten hat. Man kann zwar ein
Programm mit Strg+z in den Hintergrund schicken und mit fg wieder in den
Vordergrund holen aber zwei Anwendungen gleichzeitig auf einem
Bildschirm zu beobachten ist so ohne Weiteres nicht möglich. Aber wozu
gibt es Terminalmultiplexer, die das von einer X-Window-Umgebung
gewohnte mehrfache Nebeneinander von Fenstern auch auf der Kommandozeile
ermöglichen. Einer dieser Vertreter ist dvtm.
Installation
Der 'dynamic virtual terminal manager' ist in den offiziellen
Paketquellen von Debian enthalten und lässt sich von dort bequem
installieren:
Einmal installiert lässt er sich bequem mittels
starten.
Bedienung
Sämtliche Aktionen in dvtm bestehen aus der Mod-Taste (standardmäßig
Strg+g) und der Taste für die gewünschte Aktion. Die (für mich)
wichtigsten sind:
- Mod+c: neue Shell
- Mod+x: aktives Fenster schließen
- Mod+j: zum nächsten Fenster wechseln
- Mod+k: zum vorherigen Fenster wechseln
- Mod+1: zum Fenster Nr. 1 wechseln
- Mod+m: aktuelles Fenster maximieren
- Mod+t: Vertikaler Split Modus
- Mod+b: Horizontaler Split Modus
- Mod+x: Sperrt den Bildschirm (man wird nach einem Passwort gefragt;
dieses muss man danach eintippen um den Bildschirm wieder zu
entsperren)
- Mod+q: Exit
Daneben gibt es noch eine Menge weiterer Kommandos (z.B. um die
Fenstergröße zu ändern). Man findet diese indem man
aufruft. Darüber hinaus kann man dvtm beim Start noch einige Optionen
übergeben (z.B. -m um die Mod-Taste zu ändern).
Fazit
dvtm lohnt sich wirklich. Getreu der Unix-Philosophie "Do one thing but
do it well" erledigt dvtm genau diese eine Aufgabe und das ohne zu
murren und ohne zusätzlichen Schnickschnack. dvtm bringt von Haus aus
kein session-management mit (wie es etwa tmux oder screen tun). Abhilfe
schafft aber hier abduco.
Wer also möchte, dass einmal gestartete Anwendungen nach dem Logout auch
weiter laufen, der möge hier zuschlagen :-)
Nein in diesem Artikel geht es nicht um den sportlichen BMW
i3, sondern um einen
Fenstermanager namens i3. Wer also auf der Suche
nach Fahrberichten oder Ähnliches hier gelandet ist, den muss ich leider
enttäuschen ;-). Im nachfolgenden Aktikel geht es vielmehr um einen
sogenannten Fenstermanager namens i3. Fenstermanager, hä? Genau!
Bis vor kurzer Zeit hätte ich mit dem Begriff genauso wenig anfangen
können. Grob gesagt ist ein Fenstermanager für das Minimieren,
Maximieren, Öffnen und Schließen von Fenstern innerhalb einer grafischen
Oberfläche zuständig. Irgendwann im letzten Jahr stolperte ich eher
durch Zufall im ubuntuusers wiki über eine Seite auf der mehere
Fenstermanager aufgelistet waren. Das machte mich ein wenig neugierig,
kannte ich doch bis dato nur komplette Desktopumgebungen wie Gnome, Xfce
oder Kde; aus der Windows-Welt war mir dieser Begriff ebenso
unbekannt...
Dabei kommen zwei unterschiedliche Konzepte zum Einsatz: Bei "normalen"
Fenstermanagern kann man die einzelnen Fenster beliebig verschieben und
sie verdecken sich gegenseitig und/oder überlappen einander. Im
Gegensatz dazu ordnen Tiling-fähige (wie eben bspw. i3 oder dwm)
wiederum alle Fenster neben und untereinander an, sodass kein Fenster
verdeckt ist. Ein großer Vorteil dieses bereits seit den 80er-Jahren
bekannten Konzepts ist, dass sich Tiling-fähige Fenstermanager auch sehr
gut über die Tastatur steuern lassen.
Installieren lässt sich i3 bequem aus den Debian-Paketquellen mittels
apt-get install i3. Gleich mit installiert wird dabei eine hübsche
Statusleiste "i3-bar"(wer nur den reinen Fenstermanager ohne die
Statusleiste möchte installiert einfach nur das Paket i3-wm). Nun trägt
man noch in der .xinitrc die Zeile "exec i3" ein und kann mittels startx
den Fenstermanager starten. Wer möchte kann sich auch einfach einen
Loginmanager wie z.B. slim oder
xdm installieren. Will man bequem auf
seine installierten Anwendungen mittels Menü zugreifen, sollte man sich
auf jeden Fall noch das Paket "suckless-tools" installieren (wird bei
der Installation von i3 automatisch mit installiert). Das darin
befindliche "dmenu" integriert sich wunderbar in i3. Nach dem ersten
Start wird man gefragt, wo i3 seine Konfigurationsdatei ablegen soll und
welche Meta-Taste (Alt oder die Windows-Taste; ich nehme lieber die
Alt-Taste) verwendet werden soll. Danach kann man direkt los legen.
Die wichtigsten Tastenkombinationen sind wohl:
- ALT+Enter: Terminal öffnen
- ALT+D: Dmenu öffnen
- ALT+SHIFT+Q: aktuelles Fenster schließen
- ALT+SHIFT+E: i3 beenden
- ALT+j: Fokuswechsel nach links
- ALT+k: Fokuswechsel nach oben
- ALT+l: Fokuswechsel nach unten
- ALT+ö: Fokuswechsel nach rechts
- ALT+v: vertikaler Split
- ALT+h: horizontaler Split
- ALT+e: Wechsel zwischen horizontalem und vertikalem Split
- ALT+s: Stacking-Modus
- ALT+w: Tabbing-Modus
- ALT+f: Vollbild des aktuellen Fensters
- ALT+1,2,3,n: Arbeitsfläche 1,2,3,n wechseln
Eine vollständige Übersicht und zudem eine Anleitung zur Konfiguration
von i3 kann man der offiziellen
Dokumentation entnehmen.
Beschrieben ist dort bspw. wie man eine andere Schriftart einstellt,
oder wie man Tastenbelegungen ändert. Darüber hinaus ist dort
beschrieben, wie man die Statusleiste "i3-bar" seinen Bedürfnissen
anpassen kann.
Für mich persönlich ist i3 genau das, was ich gesucht habe. Ein
einfacher, mächtiger Fenstermanager, der sich vollkommen über die
Tastatur bedienen lässt. Das Tilingkonzept finde ich in höchstem Maße
spannend und ich habe vor in der nächsten Zeit noch den ein oder anderen
Kollegen aus dieser Zunft auszuprobieren. Insbesondere im
Ressourcenverbrauch denke ich, geht noch was :-)